Im Stehen sterben

Begleitung zu würdevollem Sterben und heilender Trauer

Werner Burgheim

Hardcover

272 Seiten

3.erweiterte Auflage 2018

ISBN-13: 978-3-7528-4835-9

Verlag: Books on Demand 

Euro 19, 80 

Es ist Winter, grau und düster. Ich nehme das Buch Im Stehen sterben zur Hand: Das frühlingshafte Grün lockt und die zarten Wiesenhalme deuten schon an, welch zarte Behutsamkeit das Thema Würdevolles Sterben und heilende Trauer erfordert. Es ist aber kein ‚leichtes‘ Buch, es liegt schwer in der Hand und ist vom Inhalt her für unsere Gesellschaft von großem Gewicht. Der Titel gefällt mir zuerst überhaupt nicht – plötzlicher Tod, den die wenigsten von uns erleben. Der Titel stammt aus dem Lied Wie ein Baum, den man fällt von Reinhard Mey. Aber dann merke ich, dass es dem Autor darauf ankommt, uns Sterblichen im Leben wie im Sterben zu einer aufrechten inneren Haltung zu verhelfen, um in und nach Krisenzeiten nicht aus Angst, Schuld und Trauer in uns selbst verkrümmt zu verharren.

Prof Burgheim (Jahrgang 1942) lehrte viele Jahre an der Hochschule Darmstadt Sozial- und Krisenpädagogik; er bildete sich immer weiter fort zum Sterbe-und Trauerbegleiter, zum Psychoonkologen, zum Dozenten für Palliativ-Care Fachkräfte. Als Erster Vorsitzender prägte Burgheim mehrere Jahre die Internationale Gesellschaft für Sterbebeistand und Lebensbegleitung (IGSL-Hospiz e.V.).  Sein großes Verstehen- und Weitergebenwollen erwuchs wohl aus einem der schwersten Schicksalsschläge, die man kaum ertragen kann, nämlich dem Tod seines kleinen Sohnes Manuel. Der kurze, tief persönliche Bericht über dieses Geschehen am Ende des Buches macht es zusätzlich besonders wertvoll.

Von 2001 bis 2018 stellte Burgheim eine umfangreiche Lose Blattsammlung zum Thema Qualifizierte Begleitung von Sterbenden und Trauernden zusammen, die nun beendet ist. Im vorliegenden Buch hat er die wichtigsten Teile der Blattsammlung neu bearbeitet, zusammengefügt und auch Neues z.B. das Thema Schuld, Verzeihung, Vergebung, Versöhnung eingearbeitet. Nachdrücklich weist Burgheim auf die Nachteile unserer Leistungsgesellschaft und der noch herrschenden Akzeptierung des Darwinismus – der Stärkere hat Recht hin. Ausgrenzung, Nichtbeachtung der schwachen und alten Mitmenschen. Gegenpuffer ist die Hospizbewegung; Empathie und Achtsamkeit haben hier das Wort. Hier, d.h. besonders während der Hilfestellung bei all nur möglichen Schicksalsschlägen. Die in diesen Fragen noch unbelastete begleitende Person benötigt jetzt aber neben aller Empathie und Achtsamkeit auch das Wissen über bestimmte Verläufe und Phasen im Erleben und Verarbeiten in Krisenzeiten. Daher wird der Leser nun mit den verschiedensten und sehr interessanten, von psychologischen Wissenschaftlern erarbeiteten Modellen bekannt gemacht. Allerdings könnte manches Fremdwort mühsam sein; und über mehr lebendige Beispiele anhand dieser theoretischen Modelle hätte ich mich gefreut. Dennoch profitiert man unendlich viel, sei es zum Thema Abwehrmechanismen, Angstformen, Aggressionen, Humor, der so wichtigen Biografiearbeit wie auch zum Thema ΄balancierter Altruismus΄ (Nähe und Distanz). Angehörige und Freunde, die den Verstorbenen auf dem Weg des Bangens, der Hoffnung, der Leiden, d.h. in Allem selbst mitleidend begleitet haben, bleiben nach der Beerdigung erschöpft, niedergeschlagen und im wahrsten Sinne armselig zurück. Und nun wartet auch noch die Trauer über den Verlust, die, wenn sie auf Dauer unterdrückt wird, krank machen wird. Damit das Leben wieder relativ heil werden kann, gilt es, die Trauer als heilende Trauer ausleben zu können. Das bedarf verständnisvoller Mitmenschen. Auch diesem Thema widmet sich der Autor überzeugend. Anregend sind die Schilderungen über Selbsthilfegruppen bei Trauer aber auch bei von Krebsberatungsstellen entwickelten Gruppen zur Stärkung der Erkrankten.

Über jedem Kapitel steht ein lebensnahes Zitat von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten (Dichtern, Philosophen, Künstlern), das macht das Ganze freundlich; und ganz wichtig: Am Kapitelende findet man Hinweise auf die Literatur, aus der Prof. Burgheim zusätzlich zu seinem eigenen Wissen geschöpft hat.

Das Buch kann ich jedem nachdenklichen und an sich selbst arbeitenden Mitmenschen als Lebensberatung empfehlen und natürlich allen, die in der Hospizarbeit tätig sind u.a. Seminarleitern, Koordinatoren, ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleitern, Supervisoren, Vorständen der Hospizgruppen, Palliativ-Care-Fachkräften: Eine sinn- und wertvolle Ergänzung ihrer schon vorhandenen Fachlektüre.

Januar 2019     Antonie zu Eulenburg

 

 

 

Sarah Lean: „Ein Geschenk aus dem Himmel“ 

(aus dem Englischen von Alexandra Ernst), Thienemann Verlag GmbH Stuttgart/ Wien 2013 

Wie erlebt, verkraftet ein Kind den Tod der Mutter?
Wie geht es mit dem Verlust um?

Dies wird in dem Buch „Ein Geschenk aus dem Himmel“ von Sarah Leon
beschrieben. Mit den Augen der zehnjährigen Cally sehen wir die veränderte Umwelt,die Freundinnen, die sich abwenden von ihr, den Vater, der nicht über den Verlust ihrer Mutter mit ihr sprechen will, den Bruder, der sich in seinen Computer vergräbt. Sie ist einsam. Da sieht sie ihre Mutter, in ihrem roten Regenmantel und grünem Wachshut, ein großer Hund ist bei ihr. Sie sprechen miteinander in Gedanken. Der Hund, sie nennt ihn Matlo, ist der einzige, der außer ihr ihre Mutter wahrnimmt. Er wird zur Verbindung zwischen der realen Welt und der Verstorbenen.
Dieser wilde irische Wolfshund taucht wie ein Geschenk des Himmels immer wieder auf und wird ihr Trost. Doch ihr Vater, die Lehrer und Mitschüler fürchten ihn, wollen ihn nicht, vertreiben ihn. Keiner versteht Cally, da verstummt sie. Sie spricht kein Wort mehr. „Einen Tag schweigen“ war zuerst nur eine Aufgabenstellung in der Schule, für Cally wird Schweigen für 31 Tage ihr einziger Ausweg. „Worte machen keine Wünsche wahr. Dinge passieren einfach.“
Wie soll sie weiterleben? Wäre da nicht der Hund, der immer auftaucht, wenn sie ihn braucht, „wie ein Geschenk aus dem Himmel“ und als solches stellt es sich dann auch heraus.

Eine anrührende Geschichte, die den jungen Leser, aber auch interessierte Erwachsene, nicht mehr loslässt.
(Vorgestellt von Ruth Hirschmann)


Jenny Valentine : „Kaputte Suppe“ 

(aus dem Englischen von Klaus Fritz), dtv premium 2010 

Ein seltsamer Titel für einen Jugendroman. Doch er beschreibt genau das, was das Besondere dieses Buches ausmacht. Nichts ist wie es sein sollte, nichts ist normal. Die heile Welt der kleinen Familie ist zerbrochen nach dem plötzlichen Tod des ältesten Sohnes.

Rowan Clark, selbst erst 16 Jahre alt, sorgt für ihre sechsjährige kleine Schwester Stroma, führt den Haushalt und kümmert sich um ihre depressive Mutter, nachdem die Eltern sich nach dem Tod ihres  Bruders Jack getrennt haben. Für eigene Bedürfnisse, für Treffen mit Freundinnen und Freunden hat sie keine Zeit mehr. Doch eines Tages trifft sie an einer Ladenkasse einen gut aussehenden jungen Mann, der ihr ein Negativ eines Fotos reicht und behauptet, sie habe es verloren.Was hat es mit diesem Foto auf sich?  Zu sehen ist „ein Gesicht, aus dessen Innerem Licht hervorbrach,das durch die Augen, den offenen Mund und die Nase strahlte,  als würde jemand  eine Glühbirne ausatmen“. Seit diesem Vorfall ändert sich für die Icherzählerin alles. Harper, so heißt der Junge, und sie verbindet bald eine besondere Beziehung. In der Schulmensa spricht Rowan ein Mädchen namens Bee an, das den Vorfall an der Ladenkasse beobachtet hat, wie es sagt, und daraus entwickelt sich eine Freundschaft und ergeben sich überraschende Wendungen.

Der Schreibstil klingt erfrischend, ist aus der Sicht einer Jugendlichen geschrieben. Der Inhalt ist manchmal tieftraurig, manchmal lustig, gefühlvoll geschrieben, doch niemals sentimental. Ich habe beim Lesen gelacht und geweint, war ergriffen von so viel Unglück,aber auch von so viel Überlebenswillen und Lebensmut. Ein empfehlenswertes Buch für Jugendliche und Erwachsene!
(Vorgestellt von Ruth Hirschmann)

Petra Urban: “ Mein Herz tanzt in den Himmel“ - Vom Loslassen und Neuanfangen  

Vier-Türme-Verlag

Der Titel macht neugierig.Ist das wirklich ein Buch für Menschen, die kürzlich einen Menschen verloren haben? Ja, das ist es. Es ist ein hilfreiches und berührendes Buch, in dem der Leser die Autorin durch die Trauer begleitet und das daraus herausführt. Petra Urban schreibt darin, wie sie auf den unerwarteten Tod ihres einzigen Bruders reagiert, wie sie zuerst versucht, einfach in ihrem Leben so weiterzumachen wie bisher. Sie berichtet, dass sie sich so lange geweigert habe, seinen Tod zu akzeptieren, bis sie seelisch völlig aus dem Gleichgewicht geraten und körperlich krank geworden war. Sie sucht Hilfe in einer Therapie und kommt sich Schritt für Schritt selbst auf die Spur. Sie folgte dem Familienthema, immer zu funktionieren und merkte, dass sie dem Lebensmotto ihrer Mutter hatte gerecht werden wollen: “Wie es drinnen aussieht, geht niemanden etwas an, nach außen wird ein freundliches Gesicht gezeigt.“
Nachdem sie durch einfühlsame Gesprächsführung „die Geister der Vergangenheit noch einmal hatte aufleben lassen“, konnte sie diese endgültig loslassen.

Im Kapitel „Waldweben“ beschreibt die Autorin eindrucksvoll ihre Wandlungserfahrung.
“Es war, als hätte meine Seele dort im Wald Flügel bekommen und endlich wieder Lust, wie die anmutig schwebenden Blätter durch die Welt zu tanzen.“

Dieses Buch ist vor allem für Frauen geschrieben. Die Leserin kann in verschiedenen Begegnungen miterleben, wie es sich anfühlt, loszulassen und was es für das weitere Leben bedeutet. 

Ich habe es gerne gelesen und schon öfters ausgeliehen und verschenkt. Empfehlenswert!
(Vorgestellt von Ruth Hirschmann)